Presse - Hotel zu den zwei Welten

Theater Rundschau 03_2002

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Theater der Keller

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Was will der Tod, was folgt ihm? Eric-Emmanuel Schmitts jüngstes Drama lässt die Frage nach dem Endgültigen in einem "Hotel zu den zwei Welten" diskutieren, einer Situation zwischen Erde und Himmel, von der aus eine Rückkehr ins Leben mitunter noch möglich ist. In diesem "Hotel" logieren Menschen deren irdische Hülle sich im Zustand des Komas befindet, wo eine Entscheidung über Leben oder Tod also vielleicht schon der Obhut Gottes überantwortet ist.
Reanimierte Menschen haben über Glücksgefühle berichtet, über ein Licht, welches emporhebt. Das könnte die Meinung festigen, Sterben sei wirklich "Tod und Verklärung", wie ein Tonpoem von Richard Strauss suggeriert. Eine verbindliche Bestätigung fehlt indes. Aber wie sagt "Hotelleiter" Doktor S., ein Alter Ego des mythischen Charon, zu einem Frager tadelnd: "Ihr müsst immer Gewissheit haben, um jeden Preis, selbst auf Gefahr der Wahrheit."
Das "Hotel" von Eric Emmanuel Schmitt ist ein gänzlich anderes Domizil als der leid- und hassgeschwängerte Dunkelraum von Jean-Paul Sartres "Geschlossener Gesellschaft". Der Autor öffnet Ohr und Herz für Trost, Anteilnahme, Hilfsbereitschaft - vor allem aber für die Liebe. Julien, der mit den Frauen so viel Glück zu haben vorgibt, aber

dieser Gelegenheit noch von der Liebe eines ihm bislang eher fremd gebliebenen Neffen. Der freiwillige Tod wird jetzt Laura helfen, welche zum irdischen Überleben ein Spenderherz benötigt und als potentieller Todeskandidat wiederholt im "Hotel" weilte. Ob sie ihr neues Leben wie erhofft mit Julien teilen wird lässt der Autor kokett offen. Man erfährt nicht eindeutig, wohin Juliens Abberufung führt.
Das Stück wird überhaupt sehr stark und mit einem fast irritierend langen Anlauf von komödiantischen Akzenten, von komödiantischer Sprache akzentuiert.

Schmitts Dialoge setzen an keiner Stelle Leichenbittermiene auf, beschweren sein Anliegen nicht mit didaktischen Schwergewichten. Wenn Heiterkeit in Betroffenheit umschlägt, wirkt das dann aber umso beklemmender. Und was Schmitt immer wieder (u.a. im "theater der keller" bereits gezeigten "Besucher") auf faszinierende Weise gelingt: die Konfrontation mit der Zone des Seelischen und damit des Jenseitigen. Das geht wohl an keinem Zuschauer spurlos vorüber.
Meinhard Zanger hat dieser "metaphysischen Komödie" Leichtigkeit aninszeniert, er gibt aber auch dem Staunen, dem Träumen, der Zärtlichkeit, der Wehmut Raum. Auf der von Petra Buchholz kühl-funktional ausgestatteten "oberen" Bühne agiert ein starkes Ensemble. Sicher könnte man sich den Präsidenten Delbec, welcher als einzige Negativfigur alleine auf "Überzeugungen" schwört, etwas barscher vorstellen als bei Herbert Wandschneider, sicher wird Petra Sager (Doktor S.) bis kurz vor Schluss etwas einseitig als strenge Gouvernante vorgeführt. Aber Anja Carolin Pohls Laura ist bezaubernd; Reinhard Schulat (Magier) und vor allem Bernd Reheuser (Julien) sieht man mit ihren seit langen, wenn nicht überhaupt besten Rollenporträts.

 

 
 


"Ihr müsst immer Gewissheit haben, um jeden Preis, selbst auf Gefahr der Wahrheit"

   
 

(unbewussten?) Kummer in Alkohol ertränkte und deswegen auch seinen Autounfall baute, wird von diesem Gefühl angeweht und schließlich überwältigt.
Zunächst trifft er auf Marie, eine Putzfrau, die mit ihrem knackigen Hessisch auf Erden fest zu wurzeln schien, jetzt aber den Tod freudig akzeptiert, weil "mein Herz so müde ist". Die ausgezeichnete Monika Hess- Zanger und ihr regieführender Gatte Meinhard Zanger machen auf diese kraftvolle Art deutlich, wie sich Figuren bei Schmitt oft erst gegen Ende wirklich ganz öffnen. Das gilt auch für den Magier Radschapur, welcher mit schmerzstillendem Hokuspokus den Tod seiner Tochter zu verarbeiten sucht. Als er erfährt, dass er (genauer: die von ihm abgespaltene Person) aus dem Koma nie mehr erwachen wird, bittet er, die lebenserhaltenden Apparaturen im Krankenhaus abzuschalten und erfährt bei

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