Presse - Cyrano

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Programmheft zu CYRANO - Herausgegeben von Ömmes & Oimel -
Das Kölner Theater für Kinder & Jugendliche:

 

Begrenzte,
offene Räume

Gespräch mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Petra Buchholz

CYRANO ist nach DER TEUFEL BEKKANKO Deine zweite Zusammenarbeit mit Andrea Gronemeyer. Beide Bühnenbilder bestechen durch ihre Schlichtheit und ihre Konsequenz. Sie sind nicht illustrativ, sondern sie folgen einer dramaturgischen Idee. Ist das richtig?
P. B.: Ich versuche mit meinen Bühnenbildern eine Interpretation für das Stück zu finden, so daß es ganz von Staffage befreit ist.
Das meine ich mit 'nicht illustrativ'. Du versuchst nicht zu bebildern. Bei CYRANO hätte man sich ja einen Balkon vorstellen können, der berankt ist mit Efeu. Und dies wäre dann der Hintergrund für die Liebesszene.
P. B.: Meine Räume sind so, daß der Zuschauer in seiner Phantasie neue Bilder entwickeln kann.
Wie entsteht eine solche Raumkonzeption?
P. B.: Für BEKKANKO habe ich meine Arbeit damit begonnen, daß ich in der Bibliothek des Ostasiatischen Museums hier in Köln sehr viel in japanischen Büchern nachgelesen habe. Dort ist dann die Idee für BEKKANKO entstanden: Die Grundsituation sollte eine klar begrenzte Bühne im Stil des Nô-Theaters sein.
Aber von den starren Vorgaben des Nô-Theaters hast Du Dich wieder gelöst.
P. B.: ja. Aber es war die Basis. Die Bühne ist begrenzt durch vier Säulen. Es spielt auf einem Holzpodest. Die Fußbretter, die dann später zu Klangbrettern wurden, die Trommeln, das Wasserloch - alles ist davon inspiriert.
Ein schöner Raum um ein Japanisches Märchen zu erzählen. Welche Idee verfolgst Du bei CYRANO?
P. B.: In CYRANO spielen Briefe, Liebesbriefe eine große Rolle. Die hängenden Flächen, die Du auf der Bühne siehst, sind in meiner Phantasie Briefe. Die Schauspieler bewegen sich zwischen den Briefen. Die 'Briefe' sind mal transparent, mal nicht, mal bewegen sie sich. Aber das soll nur eine mögliche Deutung sein. Der Zuschauer kann etwas ganz anderes darin sehen.
Du möchtest den Zuschauer zu einem Spiel mit eigenen Assoziationen anregen. Spielt der Gedanke, für welches Publikum Du arbeitest, bei der Konzeption für Dich eine Rolle? Bei BEKKANKO sind es Kinder, bei CYRANO ein überwiegend Jugendliches Publikum.
P. B.: Ganz sicher beschäftigt mich das. Aber ich denke, daß junge Zuschauer kein kindertümliches Theater mit großem Märchendekor brauchen. Kinder sind frei in ihren Phantasien und verstehen abstrahierte Bilder.
Für die schnellen Wechsel von Ort und Zeit und die sekundenschnellen Verwandlungen von einer Figur in die nächste ist Dein leicht variierbarer, offener Raum ideal für unsere CYRANO-Bearbeitung. Brauchst Du als Ausstattungsleiterin der Bühnen der Stadt Köln sonst mehr Bühnentechnik?
P. B.: Das ist von Stück zu Stück verschieden. Technik in der Oper ist aufwendig, weil die große Bühne mehr Möglichkeiten bietet Man kann die Unterbühne benutzen, den Schnürboden ...
Mich beeindruckt der gekonnte Einsatz von Bühnentechnik immer sehr. Es hat etwas geheimnisvolles, verzauberndes.
P. B.: Ja, der Zuschauer soll den Zauber spüren, in die Theaterwelt eintauchen und trotzdem seinen Assoziationen freien Lauf lassen. Alles soll leicht bleiben.
Diese Offenheit für unterschiedliche Deutungsmöglich-keiten erreichst Du durch eine starke Reduktion der Mittel und der Materialien. Bei BEKKANKO z. B. ist vom Nô-Theater das Holzpodest, bei CYRANO von den Briefen noch ihre rechteckige Form geblieben. Wie entwickelt sich das?
P.B.: Es hat etwas mit Minimalismus zu tun, für den es jedoch keine Gebrauchsanweisung gibt... Bestimmte Raumformen und Körperformen kehren wieder. Aber es gibt kein: "Man nehme ...".
Den konkreten technischen Ablauf einer Bühnenbild-entwicklung kann ich aber beschreiben: Nach dem Lesen wird nach einem zeichnerischen Entwurf ein Modell gebaut. Am Modell wird überprüft, ob der Entwurf für das Stück richtig ist. Dann folgt die Bauprobe, auf der die Proportionen der Bühne angepaßt werden. Technische Zeichnungen werden angefertigt und nach diesen Zeichnungen wird gebaut. Am Ende der Proben stehen dann die technische Einrichtung und die Kostüm- und Beleuchtungsproben. Wobei für mich das Licht für die Bühnenbildkonzeption von Anfang an von wesentlicher Bedeutung ist. Die Fragen, wie kann ich die Bühne beleuchten und welche Wirkung hat es, werden von Anfang an mit berücksichtigt und am Modell probiert.

Du entwirfst auch die Kostüme für die Inszenierung. Wie ist da Deine Herangehensweise?
P.B.: Beim Lesen des Stückes entstehen Bilder. Diese überprüfe ich, wenn ich die Schauspieler auf der Probe sehe. Ich frage mich, wie kann ich die Figuren am besten charakterisieren. Mit dem Kostüm muß ich den Schauspielern helfen, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Bei CYRANO verbinde ich Modernes mit Histori-schem, weil das Stück in der Gegenwart beginnt. Es gibt ein modernes Grundkostüm, das wandelbar ist für die unterschiedlichen Typen. Caterina beispielsweise verwandelt sich in Roxane und Duenna. Aber auch als Roxane ist sie nicht immer die Gleiche. In der Balkonszene ist sie die Verführerin und auf dem Schlachtfeld ist sie eine andere als im Kloster. Zudem zeigen die historischen Kostümen, daß das Stück in Frankreich spielt Die französischen Malerei des 17. Jahrhunderts hat mich da inspiriert.
Ebenso wie Deine Bühnenbilder rücken Deine Kostüme das Spiel der Darsteller ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
P.B.: Ja, das ist meine Absicht

Das Gespräch führte Sophia Weise.

Bühnenbild- und Kostümentwürfe von Petra Buchholz

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