Presse - Arabische Nacht

Bild 21.01.02

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Wort-Gewitter vor dem Vorhang

 

 
 

Von MICHAEL BISCHOFF und ALICE KEDENICH
Die Arabische Nacht" im Schauspielhaus. Das klingt, spannend, geheimnisvoll. Doch erwarten Sie hier keine Bauchtänze und farbenfrohen Orient-Bilder. Im Gegenteil, dieses Theaterstück ist ein verschlungenes Wort Gewitter. Großer Applaus für eine ungewöhnliche Premiere.
"Die Arabische Nacht"' - das sind fünf mysteriöse" traumhafte Geschichten in einem anonymen Hochhaus. Hausmeister Lomeier (Ulrich Beseier)" der einen Wasserschaden sucht und in einer Wüste., landet. Franziska (großartig Ingrid Andree!)" die jeden Abend halbnackt auf ihrem Sofa einschläft und von einem Scheich träumt. Peter Karpati (Tim Grobe)" der sie beim Duschen beobachtet, im Schlaf heimlich küsst und sich plötzlich in einer Cognacflasche wiederfindet. Verrückt.
Und schließlich Franziskas Mitbewohnerin Fatima (Gunda Aurich), die auf ihren Freund Kalil (Uwe Moritz Eichler) wartet, der erst im Aufzug stecken bleibt, später von einer anderen Nachbarin

verführt wird und schließlich als Leiche endet. Grotesk! Spannung pur also. Doch Autor Roland Schimmelpfennig macht daraus ineinander verzahnte Monologe ohne Bilder. Alles wird nur erzählt. Fünf Schauspieler vor dem tristen Eisernen Vorhang, den Regisseur Günter Krämer nur zweimal hebt. Er zeigt uns eine Bühne voller Stühle im Schaum. Darin schließlich das fulminante Finale.
Großartig gesprochen. 90 Minuten Theater (fast) ohne Bilder. Ein Experiment als Kontra zur täglichen Bilderflut in den Medien? Einfach mal ausprobieren.


Großartig in der "Arabischen Nacht": Ingrid Andree (vorne auf dem Stuhl) als träumende Franziska im Orient. Im Hintergrund: Statisten im Schaum.
 

Kölner Express 21.1.02

 

Auf ein Minimum reduziert ist die Bühne, die Petra Buchholz gestaltet hat.

Durchs wilde Absurdistan

Von Christof Ernst

Köln - 20 Stühle und Badeschaum auf dem Bühnenboden: Mehr gab es nicht an Requisiten bei der Premiere von "Die Arabische Nacht" im Schauspielhaus. Wollte Regisseur Günter Krämer der anwesenden Kulturdezernentin Marie Hüllenkremer demoralisieren, dass Theater nicht teuer sein muss? Wenn ja, ist es ihm glänzend gelungen.
"Die Arabische Nacht" das hört sich nach Bauchtanz, Wasserpfeife und heißen Gefühlen an. Ist aber nichts von alledem, sondern eine Art Sprach-Oper aus der Feder

von Roland Schimmelpfennig. Fünf Menschen sitzen auf der Bühne und erzählen ihre Geschichte(n). Da ist Franziska Dehke (Ingrid Andree), die jeden Abend Punkt 18 Uhr ihr Gedächtnis verliert. Da ist ihre Mitbewohnerin Fatima Mansur (Gunda Aurich), die das ausnutzt und dann ihren Freund Kalil (Uwe Moritz Eichler) empfängt. Oder da ist Hausmeister Hans Lomeier (Ulrich Beseler), der in dem Mietshaus ein Wasserproblem hat. So weit, so alltäglich.
Doch plötzlich kippt das Ganze: Ein voyeuristischer Nachbar (Tim Grobe) steckt in einer Cognac-Flasche fest, Kalil muss vor

seiner wildgewordenen Geliebten flüchten, wird dabei von wildfremden Frauen vernascht, und der Hausmeister landet im Beduinenzelt - es ist eine Albtraum-Reise durchs wilde Absurdistan.
Und es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Spirale immer schneller dreht: Am Ende glaubt man mit fünf Kameras gleichzeitig auf die Bühne zu sehen.
Das schafft das großartige Ensemble nur mit der Sprache, denn Gesten und ein Ausspielen des Gesagten sind nur selten möglich. Am Schluss gab's großen langen Beifall, viele Bravos für alle. Und das war gut so.

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