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Kölner Stadt-Anzeiger - Nr. 34 - 9./10. Februar 2002

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Sie schafft den richtigen Rahmen

Der Schauspieler steht in Petra Buchholz' Bühnenräumen im Zentrum

 
 

Eine Bühnenbildnerin, die an großen Bühnen in Köln und Wien arbeitete, gastiert jetzt am Theater Der Keller.

VON RAINER HARTMANN

Der Schauspieler ist die Hauptperson auf dem Theater. Es mag überraschen, dass dies eine Bühnenbildnerin sagt: "Der Schauspieler muss immer der Mittelpunkt, das wichtigste sein." Petra Buchholz denkt sich Spielräume aus. Sie liebt Abstraktionen, nutzt gerne die Kraft von rechtem Winkel und Kreis, doch das Wort, das sie beim Reden über ihre Arbeit am meisten benutzt heißt "konkret". Ihre Bühnenräume müssen sich in konkreten Situationen bewähren. "Der rechte Winkel" ,sagt sie, "ist ein wiederkehrendes Element in meinen Arbeiten: geometrische, graphische Räume und Flächen, auf denen Schauspieler oder Sänger sich ganz konkret abzeichnen. Die Figur soll nicht durch Staffage gestört werden."
Das sind nicht nur Thesen. In der Kölner Oper entwarf Petra Buchholz die Buhne für Günter Krämers Inszenierung "Intolleranza" von Luigi Nono. Dort konnte der Chor wie eine lebende Skulptur wirken. Textbänder betonten das Abstraktionsniveau: die Bühne als Bühne. Im Kölner Schauspielhaus lässt Buchholz jetzt für "Die arabische Nacht" von Roland Schimmelpfennig nicht nur Schaum wabern. Wenn der eiserne Vorhang sich hebt, vor dem die Schauspieler den Text zum Tanzen bringen, sitzen stumme Menschen in mehreren Reihen auf Stühlen. "Wir hatten", erzählt die Bühnenbildnerin über sich und Regisseur Krämer, "die Vorstellung eines in die Horizontale gekippten Hochhauses, aus dessen Fenstern Menschen schauen.
In der Wiener Staatsoper entwickelte sie für Krämers Verdi - Inszenierung "Nabucco" einen weiten Raum über kreisförmigem Grundriss. In der Kölner Schlosserei erfand sie für die Marivaux-Komödie "Der Streit" und Regisseur Christian von Treskow

einen Raum in Rot. "Rot ist eine Farbe, die psychologisch wirkt. Es ist die Farbe der Liebe, hat viel mit Partnerschaft zu tun." Zur Liebes-Skepsis des Stücks passt es, dass dieses Rot gebrochen wird zu "Müllmänner-Orange" wie Petra Buchholz es nennt. Im Kölner Theater Der Keller, auf der Bühne für "Hotel zu den zwei Welten" von Eric-Emmanuel Schmitt wird Weiß überwiegen. Zwei weiße "Segel" flankieren den Eingang hinten auf der Bühne" große Tuchflächen markieren die Wände. Alles scheint weich Eher "schräge" als rechte Winkel. "Es soll" sagt Buchholz, "offen bleiben, wo man sich befindet. Ist es eine Irrenanstalt? Eine Klinik?" Auf keinen Fall suggeriert sie ein Hotel - schließlich liegt Schmitts Spielort zwischen Erde und Himmel zwischen Leben und Tod.
Es ist die zweite Zusammenarbeit der Ausstatterin mit Theaterchef Meinhard Zanger nach einem schönen Auftritt, den vor ein paar Jahren die damalige Abschlussklasse der Keller - Theaterschule in der Schlosserei hatte. Ein großes Vertrauen habe

sich entwickelt, sagt sie: "Ich habe ihm das Bühnenbildmodell .gezeigt, und er hat sich darauf eingelassen". Wie dann bei einer Probe im noch nicht fertigen Raum die Schauspieler mit den Vorgaben umgegangen sind das hat Petra Buchholz sehr beeindruckt.
Dass sie - zusammen mit Ulrich Schulz - Ausstattungsleiterin bei den Bühnen der Stadt Köln ist dass sie in Wien an einem Haus von Weltruf viele Kubikmeter umbaut hat und nun als Gast am privaten Theater Der Keller arbeitet: So etwas ist selten im Bühnenleben. Petra Buchholz durchbricht das Schichtendenken entdeckt Gegensätze und spannende Unterschiede.
In einem Opernhaus gibt es viele Instanzen vom Technischen Direktor über die Werkstätten bis zum einzelnen Bühnenmaler. In den kleinen Theatern dies kennt sie auch aus ihrer Arbeit in der Kölner Comedia mit Andrea Gronemeyer, begegnet sie denen, die unmittelbar mit dem "Endprodukt" Bühne zu tun haben. Zwei Techniker stehen ihr im Keller - Theater zur Seite. In jedem Fall aber ist Erfindungskraft nötig:

"Wir arbeiten dem Budget angemessen, und man kann mit geringen Mitteln eine ganze Menge darstellen." Im "Hotel der zwei Welten" verrichten zwei stumme Figuren ihren Dienst. Sie tragen Kleider aus Papier, aber keineswegs weil die wenig kosten sollen, sondern aus künstlerischen Gründen. Sind es Engel?
Petra Buchholz schätzt Irritationen. In vielen ihrer Bühnenbilder vermeidet sie es, den Ort der Handlung eindeutig bestimmbar zu machen. Der Zuschauer "kann sich dann selbst in den Raum hineinfantasieren". Dessen "Künstlichkeit" ist eine Einladung zum Aufpassen, denn bei der Vorstellung geht es um das "Zusammenspiel von Figuren, Raum, Licht, Textaussagen".
Bühnenbildner und Regisseur müssen dies im Voraus abstimmen was Petra Buchholz so schwierig nicht findet. Freilich sagt sie muss ein "Anker" da sein die Entschlossenheit eine Idee "gemeinsam zu konkretisieren und zu realisieren". Aus ihrer Raumvision zu Oper oder Schauspiel muss sie zeitig ein Bühnenmodell entwickeln Dann kann sie in Gesprächen den Regisseur zu überzeugen versuchen. Nicht zu vergessen, dass , "die Figuren ja auch immer durch die Kostüme charakterisiert werden".
Drei bis fünf Aufführungen startet sie pro Spielzeit aus. Ihre Keller - Tätigkeit jetzt läuft neben den Pflichten für die städtischen Bühnen her. Für freie Kunst bleibt ihr kaum Zeit. Dabei malt sie gerne, ist gefesselt von den Möglichkeiten des Environments oder anderer "Kunsträume". Doch sie liebt das Theater, die Aufregungen der Teamarbeit, das ,"Zusammenspiel vieler", die Erfahrungen die bei Proben zu machen sind. "Wesentlich ist, dass wir am Theater mit sehr vielen Menschen zu tun haben. Aber die konzentrierte Tätigkeit alleine, wenn ich an einer Konzeption arbeite, die gibt es auch. So fern von dem Künstler, der einsam in seinem Atelier arbeitet, ist das dann nicht"

 

Die Bühnenbildnerin Petra Buchholz im Theater der Keller

Seit der Spielzeit 1993/94 gehört Petra Buchholz zur Ausstattungsleitung der Bühnen der Stadt Köln. Ihr Vertrag reicht bis 2005. Als besonders wichtige Arbeiten nennt sie auch die Ausstattung zum Musical "Anatevka", die Kostüme zu "König Lear" und die Bühne zu "Parsifal". Sie Stammt aus Duisburg, studierte Design, visuelle Kommunikation

und Bühnenbild in Düsseldorf und Salzburg. Engagements zunächst an der Rheinoper und der Hamburgischen Staatsoper. Dort begegnete sie als Ausstattungs-Mitarbeiterin dem "Ring"-Regisseur Günter Krämer. Im Kölner Theater Der Keller hat Eric-Emmanuel Schmitts "Hotel zu den zwei Welten" am 16. Februar Premiere.

       
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